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Von Spielertransfers und Massenpsychologie (11.02.2011)

Wann sollte er starten, ein Blog über Fußball & Welt, geschrieben von einem Autor mit blau-weißem Herzen?

Wünschenswerterweise nach einem Derbysieg. Idealerweise nach der (lang ersehnten!) Meisterschaft. Aber typischerweise zu einem Zeitpunkt, an dem auf Schalke alles so normal unnormal ist, die viel zitierte “Schalker Seele” wieder einmal kocht und überall Verschwörung, Verrat und Untergang  gewittert werden. Also jetzt.

Auslöser für den aktuellen Sturm im Schalker Wasserglas waren die Magath’schen Wintertransfers 2010/2011. Seither überbieten sich “echte Schalker” und die Presse mit Ausdrücken wie: “Transferchaos”, “Spielerkarussel”, “Kaufsucht”…

Bei so viel Pulverdampf gerät leicht aus dem Blick, was eigentlich Schreckliches geschehen war:
Magath hatte im Winter einen Spieler gekauft. Ja, einen.

Anthony Annan, als Ersatz für den auf eigenen Wunsch kurzfristig gewechselten Ivan Rakitic. Transferkosten summiert: ca. 1 Mio Euro. Ja, eine.

Und dieser Annan hat im Derby am letzten Freitag auch brav von Anfang an gespielt.
Zudem hatte Magath drei weitere Spieler ablösefrei verpflichtet und als Teilzeitkräfte mit diätischen 4-Monats-Verträgen bis zum Saisonende ausgestattet.

Soweit, so unspektakulär.

Das eigentliche Problem war jedoch: Die Namen dieser 3 Teilzeit-Probe-Ergänzungsspieler lauten Karimi, Charisteas und Avelar. Und das klingt im Ohr des täglichen BLÖD-Zeitungslesers eindeutig eher nach Medicos als nach Madrid.

Darob gerieten die selbsternannten Vereins-Seelenhüter wie die Vorstände des “Supporters Club e.V.” und später auch – wer will bei der Selbstdarstellungshow  “Schalke sucht die Oberfans” schon  hintanstehen – die des “Schalker Fan Club Verbandes” derart in Wallung, dass sie sich genötigt sahen, den Schalker Aufsichtsrat (und natürlich die wie immer äußerst interessierten Boulevardmedien) mit mahnenden und moralinsauren Brandbriefen zu versorgen, in denen die sich kurzerhand zum Sprachrohr aller Schalke-Fans aufschwangen und Felix Magath – abgesehen von der Erderwärmung – für jedes Unheil dieser Welt verantwortlich machten. Wahnsinn! Kaufrausch! Geldverschwendung! Zerstörung der Seele des Vereins!

Vollzeitbesserwisser im Teilruhestand wie Manni Breuckmann und andere angebliche Vereinsliebhaber schlossen sich diesen Thesen ebenso unkritisch an, wie ein Großteil der Medien, letztere zumindest nachvollziehbar, da hoch erfreut darüber, fürderhin nur noch aus den Schalker Foren (und voneinander) abschreiben zu müssen, um die jeweiligen Blättchen und Sendeformate vollzubekommen.

Aber was lässt sich inhaltlich zu den Brandbriefen sagen?

Nun, zunächst ist allgemein festzustellen, dass man sich um die Geistesleistung der Verfasser besagter Schreiben wirklich sorgen müsste, wenn die sprachlichen Qualität der Brandbriefe dieser entsprechen sollte.

Zudem könnte man anmerken, dass ausweislich der in den einschlägigen Internetforen geäußerten Meinungen sehr, sehr viele Schalke-Fans die Welt durchaus etwas differenzierterer wahrnehmen, als mancher multibeamteter Fanfunktionär.

Aber wir wollten uns der Kritik ja inhaltlich und sachlich widmen, also schon der Reihe nach:

Vorwurf 1:

Karimi und Charisteas können wir nicht gebrauchen!

Mit diesen Transfers machen wir uns lächerlich!

Fakt 1:

Obwohl medial völlig unbeachtet, war der einzig wirklich wichtige Transfer des Winters der von Anthony Annan. Er ersetzt Rakitic im defensiven Mittelfeld und wird Schalke nach allem, was man von ihm hört und liest, noch viel Freude machen.

Die viel geschmähten und medial völlig grundlos in den Mittelpunkt gestellten Karimi und Charisteas sind dagegen nichts anderes als Platzhalter:
Preiswerte und erfahrene Spieler, die Schalke in Notsituationen (z.B. als Einwechselspieler) sofort weiterhelfen können und die ohne jedes finanzielle Risiko nur eine Zeitspanne 4 Monate bis zur Sommerpause überbrücken sollen.

Im Mittelfeld hat Jurado die Erwartungen (als einziger teurer Neuzugang) bislang nicht erfüllt und braucht noch Eingewöhnungszeit, was für einen ausländischen Spieler aber ganz normal ist. Kenia war lange verletzt, kann uns jetzt nicht sofort helfen. Draxler ist ein Riesentalent, aber wäre mit der 10 jetzt ebenfalls total überfordert. Matip, Moritz und Schmitz sind fürs OM völlig ungeeignet. Fazit: Karimis Verpflichtung ist durchaus sinnvoll.

Im Sturm braucht jede Spitzenmannschaft 3-4 gute Stürmer, und diese sollten über möglichst unterschiedlichen Fähigkeiten verfügen. Schalke verfügte bislang nur 2 Topstürmer und hatte einen großen Mangel an Kopfballspielern, also klaren Bedarf für Position 3 und 4. Hier kommt Angelos Charisteas ins Spiel: Kopfballstark, erfahren und absolut geeignet, die Planstelle “kopfballstarker Stürmer für Brechstangensituationen” kostengünstig zu füllen.
Die Verpflichtung von Charisteas und Karimi zeigt doch vor allem eines klar auf:
Nämlich welche neuen Spieler Magath im Sommer wahrscheinlich holen wird, wenn die Verträge von Karimi und Charisteas schon wieder Geschichte sein werden. Eine klassische Nummer 10 (Misimovic?) und einen kopfballstarken Stoßstürmer (Petersen?).

Vorwurf 2:

Magath fährt den Verein finanziell an die Wand!

Er will aus persönlicher Eitelkeit um jeden Preis den kurzfristigen Erfolg!

Fakt 2:

Alle Maßnahmen Magaths standen unter der Prämisse, die Kosten für den Lizenzspielerkader unbedingt senken zu müssen, da Schalke bei seinem Amtsantritt nach Angaben aller Verantwortlicher (und nach Ansicht der DFL) abgewirtschaftet und fast handlungsunfähig war.
Das Geld hatten die Herren Assauer und/oder Müller verbrannt – und dies übrigens trotz der von den Fanfunktionären zum Heiligtum hochgerühmten 300.000 Euro Sperrklausel. Denn Assauers und Müllers “Fußballsachverstand” bestand nach dem UEFA-Cup-Sieg von 1997 vor allem darin, gestandene, bewährte Bundesligaspieler für Unsummen bei anderen Vereinen herauskaufen und/oder sie mit Geld zuschütten (Rost, Ernst, Kuranyi, Krstajic, Bordon, Möller….).

Magath dazu in der Süddeutschen (20.08.2010): “Als ich kam, verdiente jeder Spieler im Schnitt knapp 91.000 Euro im Monat, ohne Prämien. Ich habe die Grundgehälter der Neuverpflichtungen um 20 Prozent gesenkt. So verdient der aktuelle Kader im Schnitt nur noch gut 73.000 Euro im Monat”
Magath dagegen musste finanziell improvisieren und konnte sich – anders als in Wolfsburg – nur sehr wenige fertige Spieler kaufen.

Zu den aktuellen Kosten des Kaders sagte Magath im Stern (20.01.2011): “Der aktuelle Kader ist etwas teurer als in der Vorsaison, aber nicht teurer als die Elf, die in der Saison 2008/2009 Achter wurde.”

Vorwurf 3:

Umbruch reiht sich an Umbruch! Die Mannschaft kann sich ja nicht finden!

Man weiß ja gar nicht mehr, wer alles bei Schalke spielt!
Fakt 3:

Keiner der Spieler, die wirklich teuer waren und die Magath als zentrale Bausteine geholt hat, ist bislang abgegeben oder auch nur in Frage gestellt worden: Raul, Huntelaar, Metzelder, Jurado, Uchida. Ganz im Gegenteil: Genau diese Spieler bilden – zusammen mit den übernommenen Neuer, Höwedes, Farfan und Pander – Magaths zentrales Grundgerüst und den Stamm der Mannschaft bildet.

Die Mannschaft, die in Dortmund auf dem Platz stand, entsprach (bis auf Annan für Rakitic) exakt der Mannschaft, der im November/Dezember 2010 bei ihrer Aufholjagd noch enthusiastisch zugejubelt wurde.

Lediglich bei den zahlreichen Ergänzungs- und Perspektivspielern aus der zweiten und dritten herrscht unbestreitbar eine sehr große Fluktuation. Das verleitet Viele dazu, das blödsinnige Spielchen mitzumachen, das die Presse allen Schalkern momentan eintrichtert: Spieler zählen.

Es kommt aber natürlich nicht auf die Zahl der Spieler im Kader an, sondern darauf, was die Spieler in der Summe kosten. Wenn Bayern, Wolfsburg oder Hamburg für einzelne Spieler Millionensummen auf den Tisch blättern, ist das normal. Wenn Magath aber für dasselbe Geld 8 Spieler mit kurzfristigen Verträgen ausstattet und davon langfristig nur 2 behält soll das irre sein?

Die Ergänzungsspieler kosten Schalke sehr wenig und wurden von Magath in dem Wissen geholt, dass dieses sehr berechnende Hire and Fire-Prinzip für Schalke schon dann finanziell aufgehen würde, wenn es von den talentierten Spielern 23 bis 33 auch nur ein Einziger schaffen sollte, sich bis in den Kader durchzubeißen.

Vorwurf 4:

Magath hat im Verein ein Klima der Angst geschaffen!

Das ist nicht mehr mein Schalke!

Fakt 4:

Magath ist vom Aufsichtsrat gerade deshalb geholt worden, weil man auf Schalke dringend einen starken Mann haben wollte, der die eingefahrenen, unproduktiven Strukturen aufbrechen und ändern sollte. Sein Vorgehen war auch allen vorher bekannt und seine Methoden können nach dem Maßstäben des modernen Fußballs nur als professionell, strikt leistungsorientiert und mehrfach erfolgreich bezeichnet werden.
Wer dies nicht mag darf nicht Magath, sondern muss die Entwicklung des Profifußballs insgesamt kritisieren.
Auch mir war der alte, unperfektere und familiärer strukturierte Bundesligafußball emotional lieber.  Damals…

Aber damals spielte Schalke eben auch in Meppen und nicht in der Champions League, damals wurden im Parkstadion 3/4 aller Zuschauer bei Regen nasser, als heute der Rasen und damals galt Bent Christensen als absoluter Stareinkauf, während heute jeder Dreikäsehoch lässig an Ikonen wie Raul oder Weltstars wie Huntelaar herumgemäkelt.

Man kann nicht Kaviar verlangen aber nur Currywurst bezahlen wollen.
Es ist also nicht alles schlechter geworden. Und dankenswerterweise gehören z. B. auch Assauer`sche Handschlag- und Rentenverträge, lächerliches Machogehabe sowie die dauerhaft hochnotpeinliche Außendarstellung nun endlich der Vergangenheit an.
Vorwurf 5:

Man kann sich gar nicht mehr mit den Spielern identifizieren!

Da laufen doch nur noch Söldner herum!
Fakt 5:

In Schalkes Kader stehen zehn Spieler, die aus der eigenen Jugend stammen. Von diesen hat Magath mit Schmitz, Matip, Moritz und Draxler allein 4 selbst für den Profifußball entdeckt und nach oben gebracht. Damit muss Schalke den Vergleich mit keinem regelmäßig im internationalen Geschäft tätigen Verein scheuen.

Die Identifikation zwischen Fans und Spielern nimmt im Übrigen bei allen Proficlubs stetig ab, was wiederum im “modernen Fußball” begründet ist. Denn durch ihn wird die Kluft zwischen Fan und Mannschaft trotz aller Stimmungsveranstaltungen und Anfassabende zwangsläufig immer größer. Die Lebens- und Erlebniswelten weisen kaum noch Gemeinsamkeiten auf.

Mir gefällt das auch nicht, aber diese Entwicklung hat Felix Magath ebenso wenig in Gang gesetzt, wie Rudi Völler oder Klaus Allofs. Sie alle passen sich lediglich auf ihre Art an diese Entwicklung an.
Gegenläufige Tendenzen, also die Zunahme der Identifikation zwischen Mannschaft und Fans, kann man allenfalls (und dies auch nur zeitweise) noch in solchen Vereinen beobachten, die für ihre Verhältnisse übermäßig erfolgreich sind (aktuell Mainz, Freiburg, H96). Und dies ganz besonders dann, wenn diese Vereine den relativen Erfolg erreichen, obwohl sie mit zuvor dem Rücken zur Wand standen und deshalb notgedrungen nur noch auf junge Talente setzen konnten (aktuell der BVB, Stuttgart im Jahre 2007 & Schalke 04 im Jahre 2009/2010).

Um die Identifikation der Schalker Fans mit ihrem Club wieder zu erhöhen, gibt es also nur zwei Wege:
Entweder Meister werden (und zwar völlig egal mit welchen Spielern), oder mit einer ehrlichen, bodenständigen aber limitierten No-Name-Kämpfertruppe jahrelang im Mittelfeld und gegen den Abstieg spielen und dann aus heiterem Himmel den DFB-Pokal oder ähnliches gewinnen (so wie bis Ende der 90er Jahre).

Die eigentliche Frage lautet also: Lieber dies, oder lieber jenes?

Erfolg oder Tradition? Pragmatiker oder Nostalgiker?
Genau entlang der Trennlinie der Beantwortung dieser Frage verläuft der Riss, der durch die Anhängerschaft des S04 geht.
Vorwurf 6:

In dieser Schrottsaison hatten wir keinerlei Erfolg!

Es ist kein Fortschritt erkennbar und Magath hat rein gar nichts erreicht!

Fakt 6:

Magath verfolgt erklärtermaßen einen 4-Jahresplan und Schalke 04 befindet sich demnach aktuell noch mitten im Umbruch. Trotzdem war Schalke aber letztes Jahr Vizemeister, steht aktuell im DFB-Pokal Halbfinale, hat sich als Gruppenerster für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert und liegt in der Bundesliga 13 Spieltage vor Schluss 10 Punkte hinter Platz 5 (vor Bremen, Wolfsburg und Stuttgart).

Zudem hat sich die Mannschaft unter Magath trotz reduzierter Kosten strukturell in allen Mannschaftsteilen weiterentwickelt:

Tor: Niemand wird bestreiten, dass Manuel Neuer unter Magath (und dem von Magath geholten Torwarttrainer Dreher) nicht nur einen, sondern sogar drei Schritte nach vorne gemacht hat. Kapitänsamt und Nummer 1 der Nationalmannschaft sprechen für sich. Diese Weiterentwicklung kommt Schalke Spiel für Spiel zu Gute – und falls Manuel neuer im Sommer doch wechseln sollte, wird diese Weiterentwicklung Schalke die Kassen sehr voll machen.

Abwehr: Anfangs problematisch, da uneingespielt, jetzt mit 26 Gegentoren trotz Problemen der Mannschaft insgesamt schon drittbester Wert der Bundesliga. Und das trotz Dauerverletzungen von Pander und Hoogland. Gleichzeitig drastische Kostenreduzierung: Absolute Großverdiener wie Krstajic, Bordon und Westermann und Rafinha wurden abgegeben und durch preiswertere, jüngere Spieler wie Höwedes, Schmitz und Uchida ersetzt. Und diese Abwehr hat ihren Zenit – anders als unsere alte – noch nicht überschritten.

Mittelfeld: Bevor Magath kam, spielten bei Schalke im Mittelfeld Jones, Engelaar, Rakitic, Altintop, Kobiashvili – und da die oft nichts Vernünftiges zu Stande brachten musste oft Innenverteidiger Westermann aushelfen.
Heute haben Schalke Jurado, Annan, Kluge, Draxler, Pander, Moritz, Deac, Kenia. Ich finde, dass sich Schalke damit sowohl kreativ (Jurado/Draxler für Engelaar/Rakitic) als auch defensiv (Annan/Kluge für Jones) verbessert hat. Zudem haben die neuen Spieler sehr viel Potential, sind hungrig und kosten dabei (bis auf Jurado) sehr viel weniger. Und vieles deutet darauf hin, dass Magath mit dieser Ersparnis im Sommer einen echten 10er (Misimovic?) holen werden, der die Frage nach der Weiterentwicklung des Mittelfelds endgültig überflüssig machen wird.

Sturm: Schalke hat mit Raul und Huntelaar nicht nur zwei internationale Topstars, sondern vor allem nach Freiburg (wo ja praktisch nur Cissé trifft) auch den statistisch besten Sturm der Liga. Besser als Grafite/Dzeko, Gomez/Klose, Schürrle/Allagui oder Barrios/Lewandowski. Das hat es seit Sand/Mpenza nicht mehr gegeben. Und das, obwohl Huntelaar gerade eine allseits beklagte “schlechte Phase” hat!
der Schalker Sturm vorher? Kuranyi, Kuranyi und nochmal Kuranyi. Schalke war total von Kuranyi abhängig, spielte eindimensional und war leicht auszurechnen.

Vorwurf 7:

Die beste Abwehr der Liga wurde ohne jede Not verkauft!

Wir sind hinten sehr anfällig!

Fakt 7:

Die 2008/2009 beste Abwehr der Liga  war zu alt und viel zu teuer. Bordon, Rafinha und Westermann waren absolute Großverdiener. Es ist kein Zufall, dass diese Herrschaften ihr Geld nun alle lieber woanders verdienen – wobei sich sportlich interessanterweise keiner der genannten Spieler verbessert hat.

Und Marcelo Bordon droht inzwischen gar das Karriereende, weil er sich kürzlich eine so schwerwiegende Muskelverletzung zugezogen hat, dass er für drei Monate spielunfähig ist und seinen Vertrag bei Al Rayyan deshalb auflösen musste.
Zu diesem Thema der kicker: “Bei der umstrittenen Entscheidung, Bordon ablösefrei abzugeben, verwies Trainer-Manager Felix Magath vergangenen Sommer noch auf dass entsprechende Risiko – das sich nun bitter bestätigte.”
Magaths Umstrukturierung in der Abwehr hat bei drastisch reduzierten Gehaltskosten schon jetzt die aktuell drittbeste (!) Bundesliga-Abwehr hervorgebracht – und das, obwohl Hoogland und Pander dauerverletzt waren.

Fazit:

Man kann Magaths Methoden mögen, oder nicht. Aber man kann Magath nicht vorwerfen, er halte sich nicht an einen stringenten Plan, oder man habe diesen Plan nicht gekannt.
Ganz im Gegenteil.
Denn Magath wird ja gerade deshalb so angefeindet, weil er absolut konsequent auf seinem von vorn herein angekündigten Weg bleibt und sich auch den zahlreichen Widerständen nicht beugt.
Aber Magath verkauft und erklärt zu wenig, was er tut und warum er es tut.
Und das ist gerade auf Schalke besonders fatal, weil wir Schalker mit unserem Verein viel verwachsener sind, als das z.B. in Wolfsburg der Fall ist.

Erschwerend kommt hinzu, dass Magaths Maßnahmen zudem natürlich oft sehr ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig sind, denn im Gegensatz zu anderen Trainer geht er in Teilbereichen mutig einen ganz eigenen, unkonventionellen Weg.

Auch ist Magath ist ein Knochen, der geradeaus geht, nicht vor dem Medien Katzbuckelt und dem seine öffentliche Wahrnehmung ziemlich egal ist.
Das mag zwar sehr unmodern weil unpragmatisch sein, aber mir sind solche geraden, knorrigen Typen sehr sympathisch.

Inhaltlich hat Magath jedoch schon nach der überaus erfolgreichen letzten Saison stets gesagt, dass er die Saison 2010/2011 als Übergangssaison sieht und man nach dem sensationellen 2. Platz nun nicht zu viel erwarten dürfe.

Und genau so verläuft die Saison: Unkonstant und in der Liga mittelmäßig. Wobei Schalke in der Champions League und im DFB-Pokal sogar besser dasteht, als erwartet.
Natürlich hätte es (wie immer!) auch besser laufen können, aber den Papst haben dieses Jahr eben nicht die Blau-Weißen, sondern leider die Schwarz-Gelben in der Tasche.

Im Gegensatz zur letzten Saison spielt die Schalker Mannschaft nun allerdings nicht mehr dauerhaft über ihren Möglichkeiten, der Umbruch fällt jetzt mehr auf. Und das sorgt, zusammen mit der mangelnden Kommunikation und den übersteigerten Ansprüchen der Schalker Fans, für Unverständnis.

Dass Magath ohnehin ein Mensch ist, der nicht wirklich verstanden wird, zeigt ja auch die öffentliche Wahrnehmung:

Die Boulevard-Etiketten lauten entweder “Magier” oder “Wahnsinniger”, dazwischen gibt es bei Magath nichts. Und beide eint, dass der Durchschnittsbürger sie nicht verstehen kann.

Etwas mehr Kommunikation, und das Arbeiten wäre viel einfacher für Magath, ohne dass er inhaltlich irgendetwas anders machen müsste. Die letzten Aussagen lassen erkennen, dass Magath dies verstanden hat.
Und unterm Strich steht Magaths Truppe da, wo man eine völlig neu zusammengestellte neue Mannschaft ungefähr erwarten durfte. Der Umbau geht kontinuierlich weiter, und die Wintertransfers – so unkonventionell sie zweifellos sind – helfen dabei, diesen Umbau im kommenden Sommer mit den dann verfügbaren, geeigneten Spielern langfristig und konsequent fortsetzen zu können.

Und finanziell geht es Schalke sehr viel besser als vor 2 Jahren. Kurz: Der Verein ist perspektivisch auf einem sehr guten Weg.

Es wächst eine Mannschaft, die hungrig und belastbar ist und in der ein Riesenpotenzial steckt. Noch mehr Automatismen, noch 2-3 zusätzliche Ergänzungen und sie wird explodieren.

Ich jedenfalls freue mich sehr auf die nächsten 2 Jahre!

Posted on
Freitag, Februar 11th, 2011
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